Keratokonusversorgung mit cornealer Kontaktlinse und Sklerallinse

Bei einer Speziallinsenversorgung muss nicht auf beiden Augen dasselbe Linsenprinzip zum Einsatz kommen. Dieser Fall zeigt eine solche Kombination: Rechts trägt die Patientin eine quadrantenspezifische corneale formstabile Kontaktlinse vom Typ easyK ACT VPT und erreicht damit einen Visus von 0,8. Links wird sie mit einer Sklerallinse versorgt.
Der fachlich interessante Punkt liegt nicht allein in der erreichten Sehschärfe. Die Versorgung verbindet zwei unterschiedliche Anpassprinzipien und berücksichtigt am rechten Auge sowohl die asymmetrische Hornhautform als auch die erforderliche torische Optik.
Die Ausgangssituation
Die Patientin wird seit mehreren Jahren mit individuellen Spezialkontaktlinsen versorgt. In ihrer Versorgungsgeschichte finden sich corneale formstabile Kontaktlinsen und Sklerallinsen. Die aktuelle augenärztliche Verordnung unterscheidet ausdrücklich zwischen einer formstabilen Kontaktlinse rechts und einer Sklerallinse links.
Für die Anpassung bedeutet das: Nicht der Produktname oder ein einheitliches Konzept für beide Augen steht im Vordergrund, sondern die Frage, welche Geometrie und welches optische Prinzip am jeweiligen Auge passen.
Rechts eine quadrantenspezifische corneale formstabile Kontaktlinse
Die easyK ACT VPT ist keine Sklerallinse. Es handelt sich um eine corneale formstabile Spezialkontaktlinse. Ihre Anpassung erfolgt im Bereich der Hornhaut; sie überbrückt diese nicht nach dem Prinzip einer Sklerallinse.
Die beiden Zusätze ACT und VPT beschreiben unterschiedliche Aufgaben innerhalb dieser Versorgung.
ACT berücksichtigt gezielt den unteren Quadranten
ACT steht für asymmetrische corneale Technologie. Dabei wird der untere Quadrant gegenüber den übrigen Bereichen steiler gestaltet. So lässt sich eine örtlich unterschiedliche Hornhautform berücksichtigen, statt den gesamten Linsenrand gleichmäßig zu verändern.
Diese quadrantenspezifische Gestaltung kann insbesondere dann hilfreich sein, wenn eine rotationssymmetrische Geometrie im unteren Bereich zu stark abhebt. Ob die gewählte Ausführung passt, wird am Auge beurteilt. Herstellerinformationen und Anpassleitfaden von Galifa

VPT betrifft die Optik und ihre Ausrichtung
VPT bezeichnet eine vorderprismatisch-torische Ausführung. Die torische Vorderfläche dient der Korrektur eines verbleibenden Astigmatismus; das Prisma unterstützt die Ausrichtung der Linse. ACT und VPT sind deshalb nicht dasselbe: ACT betrifft die asymmetrische Anpassgeometrie, VPT die vorderprismatisch-torische Ausführung. Galifa
Im vorliegenden Fall erreicht die Patientin mit der easyK ACT VPT am rechten Auge einen Visus von 0,8.

Links ein anderes Prinzip mit einer Sklerallinse
Am linken Auge trägt die Patientin eine Sklerallinse. Auch diese ist formstabil, unterscheidet sich aber grundsätzlich von der kleinen cornealen Kontaktlinse: Sie überbrückt die Hornhaut mit einem Flüssigkeitsreservoir und stützt sich auf der Bindehaut über der Sklera ab. Die beiden Begriffe corneal und skleral beschreiben also nicht die Materialhärte, sondern unterschiedliche Anpassprinzipien. Universitätsklinikum Jena zur cornealen und skleralen Kontaktlinsenversorgung
Die Kombination ist keine Rangfolge von einer vermeintlich einfachen und einer grundsätzlich besseren Linse. Sie zeigt, dass die Versorgung für jedes Auge einzeln entschieden wird.
Was diesen Fall besonders macht
Rechts kommen eine quadrantenspezifisch gestaltete corneale Kontaktlinse und eine vorderprismatisch-torische Optik zusammen. Links wird ein sklerales Anpassprinzip genutzt. Genau diese Offenheit gehört für mich zur individuellen Speziallinsenversorgung: nicht beide Augen in dasselbe System einordnen, sondern die Möglichkeiten passend zum jeweiligen Auge nutzen.

Eine Versorgung endet dabei nicht mit der Abgabe. Bei Nachkontrollen betrachten wir neben der Sehleistung auch Linsensitz, Augenoberfläche, Benetzung, Pflege und die Erfahrungen im Alltag. Die augenärztliche Verlaufskontrolle des Keratokonus bleibt davon unabhängig.
Weiterführende Informationen
Fachliche Quellen
- Galifa easyK und easyK IC mit verlinktem Anpassleitfaden: technische Einordnung von ACT und VPT. Herstellerquelle, kein unabhängiger Wirksamkeitsvergleich.
- Universitätsklinikum Jena, Kontaktlinsensprechstunde: Grundlagen cornealer formstabiler Kontaktlinsen und Sklerallinsen.