Warum regelmäßige Nachkontrollen bei Sklerallinsen wichtig sind

Eine Sklerallinse kann gutes Sehen ermöglichen und im Alltag gut vertragen werden. Trotzdem gehört zur Versorgung mehr als eine gelungene Erstanpassung. Entscheidend ist auch, ob die Sklerallinse im weiteren Verlauf passend sitzt, wie sich die Augenoberfläche verhält und ob Pflege und Handhabung weiterhin funktionieren. Deshalb endet die Versorgung bei uns nicht mit der Linsenabgabe: Wir vereinbaren Nachkontrollen und erinnern regelmäßig daran.
Ein aktueller Fachbeitrag von Melissa Barnett in Contact Lens Spectrum, „Scleral Fits Aren’t Forever“, greift genau dieses Thema auf. Anlass für uns, die Bedeutung der Nachbetreuung einzuordnen.
Was die aktuelle Veröffentlichung zeigt
Barnett verweist auf eine Fallserie von Nau und Kolleginnen aus dem Jahr 2026. Die Veröffentlichung beschreibt Komplikationen bei schlecht sitzenden Sklerallinsen und Möglichkeiten, durch Änderungen des Sklerallinsendesigns wieder erfolgreiches Tragen zu ermöglichen. Die Autorinnen betonen, dass sowohl der Sklerallinsensitz als auch die zugrunde liegende Augenerkrankung regelmäßig überprüft werden müssen, auch nach einer Anpassänderung.
Barnetts Fachkommentar macht außerdem deutlich: Eine ursprünglich passende Sklerallinsenversorgung kann später eine neue Beurteilung benötigen, etwa wenn sich die Form der Augenoberfläche verändert. Die Anpassung bezieht sich auf das Auge zum jeweiligen Zeitpunkt, nicht auf einen unveränderlichen Zustand.
Wichtig ist die Größenordnung der Aussage: Eine Fallserie zeigt mögliche Probleme und Lösungswege, aber nicht, wie häufig diese Probleme insgesamt auftreten. Daraus lässt sich weder ableiten, dass Sklerallinsen grundsätzlich problematisch sind, noch dass größere Sklerallinsen generell besser passen. Maßgeblich bleibt die konkrete Situation am Auge.
Nachkontrolle bedeutet mehr als einen Sehtest
Gute Sehschärfe und angenehmes Tragen sind wichtige Ziele. Bei der Kontrolle möchten wir aber auch nachvollziehen, wie diese Ergebnisse zustande kommen und ob der Sklerallinsensitz weiterhin zur Augenoberfläche passt. Dazu gehören insbesondere:
- Sehqualität: Wie gut sehen Sie mit der Sklerallinse? Ist eine zusätzliche Korrektur sinnvoll, oder schwankt das Sehen während des Tages?
- Überbrückung und Auflage: Wie verhält sich die Sklerallinse über Hornhaut und Limbus, dem Übergang zur Lederhaut? Wie liegt sie im peripheren Bereich auf?
- Augenoberfläche: Wie sieht das Auge mit der Sklerallinse und nach dem Absetzen aus? Gibt es auffällige Druckstellen, Rötungen oder Veränderungen, die weitere Abklärung benötigen?
- Alltag: Wie lange ist das Tragen angenehm? Treten Fogging, Brennen oder Schwierigkeiten beim Absetzen auf?
Je nach Fragestellung ergänzen wir die Spaltlampenkontrolle durch OCT-Aufnahmen. Sie können den Abstand zwischen Sklerallinse und Hornhaut im Querschnitt sichtbar machen. Eine einzelne Aufnahme ersetzt jedoch weder die übrige Sitzbeurteilung noch die Betrachtung des Verlaufs.

Pflege gehört mit auf den Prüfstand
Bei Tragebeschwerden prüfen wir nicht nur die Geometrie. Auch der Zustand der Sklerallinsen, Ablagerungen, Benetzung sowie die tatsächlich verwendeten Pflege- und Befülllösungen gehören zur Besprechung. Reinigung, Desinfektion und Befüllung haben unterschiedliche Aufgaben. Die Pflegehinweise der Scleral Lens Education Society unterstreichen unter anderem, dass gebrauchte Pflegelösung nicht wiederverwendet werden soll.
Ein Pflegeproblem ist eine mögliche Erklärung, aber keine automatische Diagnose für Brennen oder Rötung. Beschwerden müssen im Zusammenhang beurteilt werden.
Eine Schweizer Befragung von Perschak und Kollegen aus dem Jahr 2026 verdeutlicht, weshalb auch die Gewohnheiten im Alltag zur Sprache kommen sollten. Von 156 ausgewerteten Personen trugen 30 Sklerallinsen. In dieser Gruppe fühlten sich 28 gut oder ausreichend über die Pflege informiert. Gleichzeitig berichteten 13, mit ihren Sklerallinsen zu duschen; drei hatten schon einmal mit ihnen geschlafen.
Das sind Selbstauskünfte aus einer kleinen, überwiegend an spezialisierten Einrichtungen untersuchten Gruppe, keine allgemeinen Häufigkeiten für alle Sklerallinsenträger. Die Untersuchung ermittelt weder Infektionsraten noch die Wirksamkeit bestimmter Einweisungen oder Berichte. Auch das Wiederverwenden oder Auffüllen gebrauchter Pflegelösung wurde nicht umfassend untersucht.
Für unsere Nachbetreuung heißt das: Wir besprechen nicht nur, welche Produkte Sie verwenden, sondern auch, wie Reinigung, Desinfektion, Befüllung und Handhabung tatsächlich durchgeführt werden. Eine einmalige Einweisung ersetzt diese gemeinsame Überprüfung im Alltag nicht. Individuelle Berichte halten die besprochenen Empfehlungen nachvollziehbar fest.
Wie oft sind Nachkontrollen sinnvoll?
Eine feste Frist passt nicht zu jeder Versorgung. Anpassphase, Ausgangssituation, bisheriger Verlauf und aktuelle Beschwerden beeinflussen die Planung. Auch die Patienteninformationen der Scleral Lens Education Society beschreiben die Kontrollplanung als individuell.
Bei uns werden die nächsten Schritte vereinbart und dokumentiert. Zu unseren Speziallinsenversorgungen erstellen wir individuelle Berichte, die relevante Sehwerte, Sitzbeurteilung, Verlauf und Empfehlungen nachvollziehbar festhalten. Mit Ihrer Einwilligung können diese Informationen auch Ihrer Augenarztpraxis oder Klinik zur Verfügung gestellt werden.
Die Nachkontrolle beim Anpasser und die augenärztliche Kontrolle erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Diagnose, Beurteilung einer Krankheitsprogression und medizinische Behandlung gehören in augenärztliche Hand. Eine gut sitzende Sklerallinse ersetzt diese Betreuung nicht; notwendige Arztbesuche und Kontrollen bleiben unabhängig davon bestehen.
Auch Freiformsklerallinsen brauchen Nachbetreuung
Eine aus Messdaten geplante Freiformsklerallinse ist keine Ausnahme. Entscheidend bleibt, wie sich die gefertigte Sklerallinse am Auge und im Alltag bewährt. Torische, quadrantenspezifische, asymmetrische und Freiformsklerallinsen werden deshalb nach denselben grundlegenden Zielen beurteilt: passender Sitz, nachvollziehbare Sehqualität und gute Verträglichkeit. Mehr dazu im Beitrag Freiformsklerallinsen in der Praxis.
Bei Warnzeichen nicht bis zur Nachkontrolle warten
Bei Schmerzen oder wiederkehrenden Tragebeschwerden die Sklerallinse absetzen und vor erneutem Tragen Rücksprache halten. Auch die Cleveland Clinic rät ausdrücklich davon ab, Schmerzen beim Tragen auszuhalten. Bei deutlicher Rötung, Lichtscheu oder plötzlicher Sehverschlechterung ist eine zeitnahe, bei akuten Beschwerden umgehende augenärztliche Abklärung erforderlich. Warten Sie dafür nicht auf einen regulären Kontrolltermin oder eine Antwort über unser Kontaktformular.
Eine Nachkontrolle bedeutet nicht automatisch, dass eine neue Sklerallinse nötig ist. Sie dient dazu, die bestehende Versorgung im Verlauf sorgfältig zu begleiten. Für eine planbare Kontrolle können Sie uns über die Speziallinsen-Anfrage kontaktieren.