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Sklerallinse nach Hornhauttransplantation: wenn eine kleine formstabile Linse nicht vertragen wird

Der Augenoptikermeister

Sklerallinse nach Hornhauttransplantation: wenn eine kleine formstabile Linse nicht vertragen wird

Vorderabschnitts-OCT einer Sklerallinse über einer transplantierten Hornhaut

Nach einer Hornhauttransplantation kann die optische Versorgung anspruchsvoll bleiben. In diesem anonymisierten Fall sah das rechte Auge ohne Korrektur 0,05 und mit Brille 0,5. Eine kleine formstabile Kontaktlinse wurde wegen eines starken Fremdkörpergefühls kaum toleriert.

Die Alternative war eine asymmetrische ScleraFlex-Sklerallinse. Bei der Abgabe erreichte das Auge einen Visus von 0,63. Der Sitz war in der ersten Beurteilung gut und die Überbrückung der transplantierten Hornhaut im Vorderabschnitts-OCT klar nachvollziehbar. Ob dieser Eindruck auch bei längerer täglicher Tragezeit bestehen bleibt, müssen die weiteren Kontrollen zeigen.

Ausgangslage: makuläre Hornhautdystrophie und Hornhauttransplantation

Der Hornhauttransplantation lag eine makuläre Hornhautdystrophie zugrunde. Beide Augen waren in zeitlichem Abstand operiert worden. Für die kontaktlinsentechnische Versorgung stand zunächst das rechte Auge im Mittelpunkt.

Kurz erklärt: Was ist eine makuläre Hornhautdystrophie?

Der Name wird leicht mit der Makula der Netzhaut verwechselt. Gemeint ist hier jedoch eine seltene, in der Regel vererbte Hornhautdystrophie: Fleckige Trübungen breiten sich im Hornhautgewebe aus und können die Transparenz beider Hornhäute zunehmend beeinträchtigen. In fortgeschrittenen Fällen kann deshalb eine Hornhauttransplantation notwendig werden. Eine kompakte medizinische Übersicht bietet das europäische Fachportal für seltene Erkrankungen.

Die subjektive Refraktion lautete:

  • Sphäre +1,00 dpt
  • Zylinder -6,50 dpt
  • Achse 70 Grad
  • Visus mit Brille 0,5
  • Visus ohne Korrektur 0,05

Der hohe Zylinder und die topografisch unregelmäßige Hornhautgeometrie erklärten, warum eine Brille zwar deutlich half, die optische Abbildung aber nicht vollständig beruhigen konnte.

Topografische Übersicht einer unregelmäßigen Hornhaut nach Hornhauttransplantation
Die Topografie zeigt die ausgeprägt asymmetrische Hornhautgeometrie des versorgten Auges nach der Hornhauttransplantation.

Warum die kleine formstabile Kontaktlinse nicht weiterverfolgt wurde

Eine kleine formstabile, hornhautaufliegende Kontaktlinse wurde kurz probiert. Optisch können solche Linsen nach einer Hornhauttransplantation eine gute Lösung sein. In diesem Fall entstand jedoch sofort ein starkes Fremdkörpergefühl. Damit war die entscheidende Voraussetzung für eine alltagstaugliche Versorgung nicht gegeben.

Das bedeutet nicht, dass formstabile Kontaktlinsen nach einer Hornhauttransplantation grundsätzlich ungeeignet sind. Es zeigt nur, dass eine rechnerisch oder optisch plausible Lösung am konkreten Auge auch tragbar sein muss.

Die erste Sklerallinsenprobe: guter Visus, aber der Rand zählt mit

Bei der Sklerallinsenprobe kam eine asymmetrische Geometrie mit 16,3 Millimetern Durchmesser zum Einsatz. Die Messlinse hatte +6,00 dpt Sphäre und -1,50 dpt Zylinder. Mit einer Überrefraktion von -2,50 dpt wurde ein Visus von 0,8 erreicht.

Dieser Wert war ein gutes optisches Signal, aber noch kein fertiges Anpassergebnis. In einem Bereich stand der Rand der Messlinse etwas zu hoch. Eine Sklerallinse wird deshalb nicht allein nach dem besten Visus bestellt. Überbrückung, Randauflage, Zentrierung, Bewegung, Augenreaktion und subjektiver Komfort müssen gemeinsam passen.

Die asymmetrische Geometrie bot die Möglichkeit, die Auflage gezielter an die Form des vorderen Augenabschnitts anzupassen.

Abgabe: Visus 0,63 und ein guter erster Sitz

Bei der Abgabe der finalen ScleraFlex erreichte das rechte Auge einen Visus von 0,63. Der Sitz zeigte sich regelmäßig und unauffällig. Im Vorderabschnitts-OCT war die Hornhaut vollständig überbrückt; zwischen Linse und Hornhaut blieb das gewünschte Flüssigkeitsreservoir sichtbar.

Vorderabschnitts-OCT einer Sklerallinse über einer transplantierten Hornhaut
Vorderabschnitts-OCT bei eingesetzter Sklerallinse: Die Linse überbrückt die transplantierte Hornhaut, ohne sie zentral zu berühren.

Warum lag der Visus bei der Probe bei 0,8 und bei der Abgabe bei 0,63? Die Werte stammen aus unterschiedlichen Anpassschritten. Die 0,8 wurden mit einer Messlinse und zusätzlicher Überrefraktion unter Probebedingungen erreicht. Die 0,63 dokumentieren den Zustand bei der Abgabe der finalen Linse. Diese Messungen sind deshalb nicht als einfacher Vorher-nachher-Vergleich zu verstehen.

Wichtiger als eine einzelne Bestmarke ist, ob Sehqualität, Sitz und Verträglichkeit im Alltag zusammen funktionieren.

Warum die Langzeitverträglichkeit noch offen bleibt

Eine gute Abgabekontrolle ist nur der Anfang. Nach einer Hornhauttransplantation müssen unter anderem die zentrale Überbrückung, die Auflage außerhalb der Hornhaut, mögliche Druckzonen, die Hornhautreaktion und die Sehqualität nach längerer Tragezeit erneut beurteilt werden.

Für diesen Fall ist die Aussage deshalb bewusst begrenzt:

  • Die kleine formstabile Kontaktlinse wurde wegen starken Fremdkörpergefühls nicht weiterverfolgt.
  • Die asymmetrische Sklerallinse zeigte bei der Abgabe einen guten Sitz.
  • Der Visus lag bei der Abgabe bei 0,63.
  • Die Überbrückung war im OCT nachvollziehbar.
  • Die Langzeitverträglichkeit ist noch nicht abschließend beurteilt.

Fachlicher Kontext

Retrospektive Fallserien beschreiben Sklerallinsen als eine mögliche Form der visuellen Rehabilitation nach einer durchgreifenden Hornhauttransplantation, auch wenn kleinere formstabile Kontaktlinsen zuvor nicht getragen werden konnten. Dieselben Arbeiten zeigen aber auch, dass nicht jede Versorgung dauerhaft fortgeführt wird und Kontrollen unverzichtbar bleiben.

Eine weitere Untersuchung dokumentierte bereits nach kurzer Tragezeit messbare Veränderungen der Hornhautoptik bei transplantierten Augen. Ein guter Sitz bei der Abgabe darf daher nicht mit einer abgeschlossenen Langzeitbeurteilung verwechselt werden.

Was dieser Fall gut zeigt

Erstens: Eine nicht tolerierte kleine formstabile Kontaktlinse bedeutet nicht automatisch, dass jede formstabile Versorgung scheitern muss. Eine Sklerallinse hat eine andere Größe, überbrückt die Hornhaut und verteilt ihre Auflage weiter außen.

Zweitens: Der beste Visuswert einer Messlinse ist nicht das einzige Ziel. Wenn der Rand nicht passend aufliegt, muss die Geometrie weiterentwickelt werden.

Drittens: Nach einer Hornhauttransplantation braucht eine Sklerallinse eine besonders sorgfältige Verlaufskontrolle. Das OCT ergänzt dabei die Beurteilung an der Spaltlampe, ersetzt aber weder die Trageerfahrung noch die augenärztliche Nachsorge.

Häufige Fragen

Kann man nach einer Hornhauttransplantation eine Sklerallinse tragen? In geeigneten und medizinisch stabilen Situationen kann eine Sklerallinse zur optischen Versorgung geprüft werden. Die Entscheidung ist immer individuell und setzt verlässliche Kontrollen voraus.

Liegt die Sklerallinse auf dem Transplantat? Die zentrale Zone soll die Hornhaut überbrücken. Die Linse stützt sich weiter außen auf dem weißen Bereich des Auges ab. Das Flüssigkeitsreservoir zwischen Linse und Hornhaut wird bei der Anpassung kontrolliert.

Warum wurde nicht einfach der höchste gemessene Visus übernommen? Weil Sehstärke und Linsensitz zusammenpassen müssen. Die 0,8 entstanden bei einer Probe mit zusätzlicher Überrefraktion. Bei der Abgabe der finalen Linse wurden 0,63 gemessen. Beide Werte beschreiben unterschiedliche Situationen.

Ist die Versorgung damit abgeschlossen? Nein. Der erste Sitz war gut, die Langzeitverträglichkeit ist aber noch offen. Erst die Kontrollen nach längerer Tragezeit zeigen, ob die Geometrie dauerhaft funktioniert oder weiter angepasst werden muss.

Kontaktlinsen nach Hornhauttransplantation prüfen lassen

Mehr Hintergrund finden Sie auf den Seiten Kontaktlinsen nach Keratoplastik und Sklerallinsen. Wenn eine Brille nicht ausreicht oder eine bisherige formstabile Kontaktlinse nicht tragbar ist, können Sie Ihre Situation über die bestehende Speziallinsen-Anfrage schildern.

Dieser Beitrag beschreibt einen anonymisierten Einzelfall. Er ersetzt keine augenärztliche Diagnose, Behandlung oder individuelle Kontaktlinsenanpassung. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf andere Augen übertragen.

Transparenz: ScleraFlex wird genannt, weil dieses Produkt im beschriebenen Fall angepasst wurde. Die Produktnennung ist keine allgemeine Empfehlung für ein bestimmtes Linsensystem.

Fachliche Quellen