Sklerallinsen nach DALK und bei Keratokonus: Zwei Augen, zwei Wege

Eine Sklerallinse nach DALK am rechten Auge, eine andere Ausgangslage links: Dieser Fall zeigt, warum eine individuelle Sklerallinsenversorgung für jedes Auge neu gedacht werden muss. Und warum gute Sehschärfe allein noch nicht bedeutet, dass im Alltag schon alles passt.
Bei dem hier anonymisiert vorgestellten Patienten bestand beidseits ein Keratokonus. Am rechten Auge war bereits eine besondere Form der Hornhauttransplantation durchgeführt worden, eine DALK. Zur Vorgeschichte gehörte außerdem eine Unverträglichkeit cornealer formstabiler Kontaktlinsen. Beide Augen wurden mit individuell angepassten Sklerallinsen versorgt.
Die unterschiedliche Vorgeschichte ist wichtig. Ebenso wichtig ist aber, was der Patient bei der Nachkontrolle berichtet: Wie sieht er? Wie lange kann er die Sklerallinsen tragen? Und fühlt sich das linke Auge genauso gut an wie das rechte?
Rechts: Sklerallinse nach DALK
DALK steht für tiefe anteriore lamelläre Keratoplastik. Bei dieser Operation werden die vorderen Hornhautschichten durch Spendergewebe ersetzt. Die eigene hintere Zellschicht, das Endothel, bleibt erhalten. Eine verständliche Erklärung bietet die Universitätsaugenklinik Frankfurt zur DALK.
Im vorliegenden augenärztlichen Ausgangsbefund wurde das rechte Transplantat als klar und gut integriert beschrieben. Gleichzeitig bestand ein hoher Astigmatismus. Mit der dokumentierten Brillenkorrektur wurde rechts ein Visus von 0,5 erreicht. Augenärztlich war zunächst eine Versorgung mit cornealen formstabilen Kontaktlinsen empfohlen worden.
Für die Hilfsmittelversorgung wählten wir rechts eine hornhautüberbrückende Sklerallinse. Dabei geht es um die optische Versorgung des operierten Auges. Die Beurteilung des Transplantats und seine medizinische Betreuung bleiben Aufgabe der behandelnden Augenärztinnen und Augenärzte.
Links: Wenn corneale formstabile Kontaktlinsen nicht vertragen wurden
Am linken Auge lag ebenfalls ein Keratokonus vor. Der Patient hatte bereits in der Vergangenheit corneale formstabile Kontaktlinsen ausprobiert und nicht vertragen. Diese Erfahrung gehörte zur Ausgangssituation unserer Sklerallinsenversorgung.
Corneale formstabile Kontaktlinsen sitzen auf dem Tränenfilm der Hornhaut, der Cornea. Sklerallinsen überbrücken dagegen die Hornhaut mit einem Flüssigkeitsreservoir. Ihre Auflage liegt außerhalb der Hornhaut auf der Bindehaut über der Lederhaut. Entscheidend ist hier das grundlegend unterschiedliche Auflageprinzip, das auch die Universitätsaugenklinik Jena erklärt, nicht allein das formstabile Material. Die frühere Unverträglichkeit cornealer formstabiler Kontaktlinsen schließt eine Versorgung mit Sklerallinsen deshalb nicht aus; deren Eignung und Verträglichkeit werden eigenständig geprüft.
Individuelle Geometrie statt gleicher Lösung für beide Augen
Zum Einsatz kamen individuell angepasste, hornhautüberbrückende Sklerallinsen mit asymmetrischer Auflagegeometrie. Links wurde zusätzlich eine vordertorische Ausführung zur optischen Korrektur gewählt.
Asymmetrisch beschreibt hier die Gestaltung der Auflage. Vordertorisch bezeichnet dagegen die optische Ausführung der Vorderfläche. Das sind zwei unterschiedliche Aufgaben: Die Sklerallinse muss zum Auge passen und zugleich die benötigte Sehkorrektur ermöglichen.
Ob die gewählte Geometrie passt, beurteilen wir am Auge und in den Verlaufskontrollen. Die Scleral Lens Society erläutert die individuelle Anpassung und die Bedeutung der Nachkontrollen auch für Betroffene.

Was das OCT bei der Sklerallinsenanpassung sichtbar macht
Die beiden OCT-Schnittbilder ergänzen den Blick durch die Spaltlampe. Sie zeigen die Sklerallinse vor der Hornhaut und den dazwischenliegenden Flüssigkeitsraum. Gerade bei unterschiedlichen Hornhautformen ist diese zusätzliche Ansicht hilfreich: Wir betrachten nicht nur die Sehschärfe, sondern auch, wie die Sklerallinse die Hornhaut im jeweiligen Schnitt überbrückt.


Für die Sitzbeurteilung betrachten wir mehrere Schnittansichten zusammen mit dem Spaltlampenbefund, der bisherigen Tragedauer und den Beschwerden. Denn der Abstand zur Hornhaut kann sich beim Tragen verändern, wie eine Studie mit OCT-Verlaufsmessungen bei Sklerallinsen zeigt. Ein einzelnes Bild ersetzt daher weder die vollständige Sitzkontrolle noch die Rückmeldung zur Verträglichkeit.
Die Nachkontrolle: Gute Sehschärfe und trotzdem Beschwerden
Bei der dokumentierten Nachkontrolle wurden mit den Sklerallinsen folgende Sehschärfen gemessen:
| Auge | Sehschärfe mit Sklerallinse | Rückmeldung zum Tragen |
|---|---|---|
| Rechts | Visus 1,0 | Rechte Sklerallinse als gut beschrieben |
| Links | Visus 0,63 | Brennen erst nach längerer Tragezeit |
Die Sehwerte dokumentieren den Verlauf: Der frühere Brillenvisus und die spätere Messung mit Sklerallinse wurden an unterschiedlichen Terminen erhoben, nicht im direkten Vergleich.
Bei der Nachkontrolle berichtete der Patient, seine Sklerallinsen täglich von etwa 05:00 Uhr bis 16:00 oder 17:00 Uhr zu tragen. Die rechte Sklerallinse beschrieb er als gut. Links trat das Brennen erst nach längerer Tragezeit auf. Nach ungefähr elf bis maximal zwölf Stunden wurde das Tragen für ihn kritisch. Das beschreibt seinen individuellen Verlauf, keine allgemeine Tragezeitempfehlung.
Rechts Visus 1,0 und links Visus 0,63 sind wichtige Ergebnisse. Sie beantworten aber nicht die Frage, warum links nach längerer Tragezeit Beschwerden auftreten.
Die Frage lautet also nicht nur: Wie viele Zeilen werden auf der Sehprobentafel erkannt? Sondern auch: Wie fühlt sich das Auge im Tagesverlauf an, und wie reagiert es auf das Tragen?
Brennen abklären: Pflegezustand, Linsenoberfläche und Sitz
Wenn eine Sklerallinse nach längerer Tragezeit brennt, gehört der Pflegezustand ausdrücklich zur Abklärung. Wir prüfen die Sklerallinse auf Ablagerungen, Benetzungsstörungen, Kratzer und andere Beschädigungen. Ebenso wichtig sind der tatsächliche Reinigungs- und Desinfektionsablauf, die verwendete Einsetzlösung sowie der Zustand von Behälter und Handhabungshilfen. Dazu kommen die Kontrolle des Sitzes und die Beurteilung der Augenoberfläche, bei medizinisch auffälligen Befunden augenärztlich. Brennen ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass die Sklerallinsengeometrie ungeeignet ist.
Im Gespräch über die Pflegeroutine beschrieb der Patient folgenden Ablauf: Einmal reinigen, die benutzte Flüssigkeit im Behälter belassen, die Sklerallinsen später wieder hineingeben und erneut tragen. Erst danach wurde wieder ein Reinigungszyklus durchgeführt. Zwischen dem erneuten Einlegen und dem anschließenden Tragen war also kein neuer Aufbereitungszyklus erfolgt.
Ein Zusammenhang mit dem Brennen links ist damit nicht belegt. Die Wiederverwendung ist aber ein konkreter Anlass, die Pflegeabläufe erneut zu besprechen.
Dass Pflege und Linsenzustand in der Nachbetreuung keine Nebensache sind, zeigt eine retrospektive Studie von Fuller und Wang zur Sklerallinsenversorgung bei Keratokonus: Sie dokumentierte unter anderem Ablagerungen und Benetzungsprobleme. Erneute Einweisungen sowie Anpassungen von Pflege und Handhabung gehörten neben Änderungen der Sklerallinsenanpassung regelmäßig zum Vorgehen bei Problemen.
Für jeden neuen Desinfektionszyklus ist frische, für das jeweilige System vorgesehene Lösung nötig. Gebrauchte Lösung wird verworfen und nicht wiederverwendet oder nur aufgefüllt. Darauf weist auch die FDA in ihren Hinweisen zu Kontaktlinsenpflegemitteln hin. Bei Peroxidsystemen müssen außerdem die vorgeschriebene Einwirkzeit und vollständige Neutralisation eingehalten werden; nicht neutralisierte Peroxidlösung darf nicht ans Auge gelangen. Die FDA erklärt die sichere Anwendung von Peroxidsystemen gesondert.
Solche Fragen haben nichts mit Schuldzuweisung zu tun. Zwischen einer Einweisung und dem täglichen Ablauf zu Hause können Missverständnisse entstehen. Deshalb ist die konkrete Beschreibung der einzelnen Schritte oft hilfreicher als ein pauschales „Kommen Sie mit der Pflege zurecht?“.
Tragezeit und Nickerchen gehören ebenfalls ins Gespräch
Auch der Wunsch, zwischendurch mit den Sklerallinsen ein Nickerchen machen zu können, kam zur Sprache. Für die reguläre Tagesversorgung gilt: Sklerallinsen vor dem Schlafen absetzen, auch vor einem Nickerchen. Eine lange mögliche Tragezeit tagsüber ist keine Freigabe zum Schlafen mit Sklerallinsen. Die Patientenhinweise der Scleral Lens Society gehen auf Schlafen und individuelle Tragezeiten ein.
Beschwerden sollen nicht bis zur nächsten Routinekontrolle ausgehalten werden. Bei Brennen oder Reizung die Sklerallinse absetzen und zeitnah zur Abklärung von Pflegezustand, Sitz und Augenoberfläche Rücksprache halten. Bei Schmerzen, deutlicher Rötung, Lichtscheu oder plötzlicher Sehverschlechterung ist eine umgehende augenärztliche Abklärung wichtig.
Eine Sklerallinsenversorgung endet nicht bei der Abgabe
Genau deshalb schreibe ich über diesen Fall. Er zeigt optische Möglichkeiten nach einer Hornhauttransplantation und bei Keratokonus. Er zeigt aber genauso deutlich, dass Sehschärfe, Komfort, Pflege und Tragezeit gemeinsam betrachtet werden müssen.
Bei uns gehören individuelle Berichte und geplante Nachkontrollen zur Speziallinsenversorgung. Im Bericht werden Ausgangssituation, relevante Befunde, erreichte Sehschärfe und die nächsten Schritte nachvollziehbar festgehalten. Patientinnen und Patienten erhalten damit eine verständliche Dokumentation ihrer Versorgung. Mit entsprechender Einwilligung kann sie auch der behandelnden Augenarztpraxis oder Klinik zur Verfügung gestellt werden.
Wir vereinbaren Kontrollen und erinnern regelmäßig daran. Die Versorgung endet nicht mit dem Satz „Melden Sie sich, wenn etwas ist“. Mehr dazu steht auf unserer Seite zur Zusammenarbeit, individuellen Dokumentation und Nachbetreuung.
Der weitere Verlauf der Beschwerden links ist noch nicht abschließend dokumentiert. Eine gute Sklerallinsenversorgung zeigt sich nicht allein an der gemessenen Sehschärfe, sondern auch daran, wie aufmerksam der weitere Verlauf begleitet wird.
Einen weiteren Versorgungsweg beschreibt unser Fallbericht zur Sklerallinse nach Hornhauttransplantation. Bei Fragen zur eigenen Versorgung erreichen Sie uns über die Kontakt- und Speziallinsen-Anfrage.
Dieser Fallbericht wurde mit Einwilligung anonymisiert aufbereitet. Er beschreibt einen individuellen Verlauf und ersetzt keine persönliche augenärztliche Untersuchung oder individuelle Sklerallinsenanpassung.