Hochheim am Main · ausgewählte Spezialfälle donnerstags in Frankfurt
(+49) 0176 22856872
info@geromayer.de

Sklerallinse nach Femto-CAIRS: Wenn Hornhautchirurgie und Präzisionsoptik zusammenspielen

Der Augenoptikermeister

Sklerallinse nach Femto-CAIRS: Wenn Hornhautchirurgie und Präzisionsoptik zusammenspielen

Spaltlampenaufnahme eines rechten Auges nach Femto-CAIRS mit bogenförmigem intrastromalem Hornhautsegment

Manchmal erzählt eine einzige Hornhaut zwei Geschichten. Die erste spielt im Hornhautgewebe: Mit einem Femto-CAIRS-Eingriff wird versucht, eine stark irreguläre Hornhaut gezielt umzuformen. Die zweite beginnt dort, wo die Operation endet: auf der Augenoberfläche, mit einer individuell angepassten Sklerallinse.

In diesem anonymisierten Fall bestand am rechten Auge eine ausgeprägte Hornhautektasie. Eine kleine formstabile Kontaktlinse war nicht tragbar, mit einer weichen Kontaktlinse blieb das rechte Auge schwierig zu versorgen. Am 8. Oktober 2024 erfolgte ein Femto-CAIRS-Eingriff. Doch auch eine durch den Eingriff veränderte Hornhaut ist nicht automatisch eine optisch regelmäßige Hornhaut.

Der entscheidende Schritt für den Alltag war deshalb die Kombination: erst die chirurgische Veränderung der Hornhautform, anschließend die optische Rehabilitation mit einer torischen, quadrantenspezifischen Sklerallinse. In den Nachkontrollen erreichte das rechte Auge mit aufgesetzter Sklerallinse und geringer Überrefraktion einen Visus von 0,8.

Das Spannende an diesem Fall ist nicht „Operation oder Sklerallinse“. Es ist das Zusammenspiel beider Verfahren. Die Operation verändert die Hornhaut. Die Sklerallinse macht das danach vorhandene optische Potenzial nutzbar.

Spaltlampenaufnahme eines rechten Auges nach Femto-CAIRS mit bogenförmigem Hornhautsegment
Spaltlampenaufnahme nach Femto-CAIRS. Das bogenförmige, in der Hornhaut liegende Segment ist im unteren Hornhautbereich erkennbar. Direkte Patienten- und Gerätedaten wurden aus der veröffentlichten Bilddatei entfernt.

Ausgangslage: rechts blieb die Sehqualität deutlich begrenzt

Bereits vor dem operativen Eingriff zeigte das rechte Auge eine stark irreguläre Optik. In der Dokumentation aus dem Jahr 2022 lag der Visus ohne Korrektur bei 0,08. Mit Brillenkorrektur wurden 0,32 erreicht. Die Refraktion enthielt einen Zylinder von -4,00 Dioptrien.

Das sind keine Werte, aus denen sich allein eine Therapieentscheidung ableiten lässt. Sie zeigen aber, wie begrenzt die Sehqualität trotz klassischer Korrektur war. Eine kleine formstabile, hornhautaufliegende Kontaktlinse wurde nicht vertragen. Damit fehlte eine häufig sehr wirksame optische Möglichkeit für irreguläre Hornhäute.

Am 8. Oktober 2024 wurde das rechte Auge mit Femto-CAIRS behandelt. Für die anschließende Kontaktlinsenversorgung war wichtig, die Hornhaut nicht so zu betrachten, als wäre sie einfach „repariert“. Durch den Eingriff war eine neue Geometrie entstanden, die vollständig neu vermessen und am Auge beurteilt werden musste.

Was bedeutet Femto-CAIRS?

CAIRS steht für Corneal Allogenic Intrastromal Ring Segments. Dabei werden bogenförmige Segmente aus menschlichem Spenderhornhautgewebe in einen Kanal innerhalb der eigenen Hornhaut eingesetzt. Beim Femto-CAIRS-Verfahren wird ein Femtosekundenlaser für besonders präzise Arbeitsschritte eingesetzt; je nach Technik können sowohl der Hornhautkanal als auch die Form der Gewebesegmente individuell geplant werden.

Die Segmente sollen die biomechanische und optische Form der Hornhaut verändern. Vereinfacht gesagt wird Gewebe in der Peripherie ergänzt, um eine sehr steile oder asymmetrische Hornhaut zu regulieren und abzuflachen. Das Ziel ist nicht, eine erkrankte Hornhaut in eine vollkommen normale Hornhaut zu verwandeln. Auch nach dem Eingriff können irregulärer Astigmatismus, Abbildungsfehler und ein Bedarf an einer Spezialkontaktlinse bestehen bleiben.

Die bisherige Literatur beschreibt im Mittel Verbesserungen von Sehschärfe und topografischen Parametern. Gleichzeitig ist CAIRS ein vergleichsweise junges Verfahren: Techniken, Segmentformen und Behandlungspläne unterscheiden sich, und langfristige Daten sind noch begrenzter als bei etablierten Verfahren. Die Ergebnisse eines Einzelfalls dürfen deshalb nicht verallgemeinert werden.

Die Topografie zeigt: Die Hornhaut bleibt individuell

Anonymisierte Hornhauttopografie des rechten Auges im dokumentierten Verlauf
Die anonymisierte Hornhauttopografie zeigt die ausgeprägt asymmetrische Geometrie des rechten Auges im dokumentierten Verlauf. Für die Sklerallinsenanpassung ist nicht nur die zentrale Hornhaut, sondern der gesamte Übergang zur Auflagezone entscheidend.

Eine Hornhauttopografie kann Krümmung und Asymmetrie sichtbar machen. Sie beantwortet aber noch nicht, welche Sklerallinse auf dem Auge stabil, komfortabel und gesundheitlich unauffällig sitzen wird. Dafür müssen Topografie, Spaltlampenbefund, Überrefraktion, Trageerfahrung und Vorderabschnitts-OCT zusammengeführt werden.

Gerade nach einem intrastromalen Eingriff ist diese Trennung wichtig: Die Topografie beschreibt die optische Form. Das OCT zeigt Querschnitte und Abstände. Die Spaltlampe zeigt die Reaktion des lebenden Auges. Kein einzelnes Verfahren ersetzt die anderen.

Warum eine Sklerallinse nach Femto-CAIRS sinnvoll sein kann

Eine Sklerallinse liegt nicht zentral auf der Hornhaut. Sie überbrückt sie und stützt sich weiter außen auf der Bindehaut über der Sklera ab. Der Raum zwischen Hornhaut und Linse wird beim Aufsetzen mit konservierungsmittelfreier Flüssigkeit gefüllt.

Dieses Flüssigkeitsreservoir bildet zusammen mit der Sklerallinse eine neue, regelmäßige optische Vorderfläche. Genau das kann nach Femto-CAIRS entscheidend sein: Der Eingriff verändert die Hornhautgeometrie, während die Sklerallinse die noch vorhandene irreguläre Optik ausgleicht.

Die Sklerallinse ist damit kein Beleg für ein Scheitern der Operation. Und die Operation macht die Kontaktlinsenanpassung nicht überflüssig. Beide Maßnahmen erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Die Anpassung: torisch, quadrantenspezifisch und in mehreren Schritten

Am rechten Auge wurde eine Sklerallinse mit etwa 15,1 Millimetern Durchmesser angepasst. Die periphere Geometrie war torisch und quadrantenspezifisch. Das war relevant, weil eine Sklerallinse nicht nur über der Hornhaut richtig stehen muss. Auch ihre Auflage auf der unregelmäßigen Augenoberfläche muss rundum kontrolliert werden.

Die Dokumentation zeigt mehrere gezielte Änderungen von Geometrie und Stärke. In den Kontrollen wurden unter anderem Rotation, Randauflage, eine leichte Gefäßabblassung in einem Abschnitt und die Überrefraktion beurteilt. Eine solche Entwicklung über mehrere Schritte ist bei komplexen Augen kein ungewöhnlicher Umweg. Sie ist Teil einer präzisen Anpassung.

Ein einzelner guter Visuswert reicht nicht. Die Linse muss die Hornhaut sicher überbrücken, den Limbus respektieren, möglichst gleichmäßig aufliegen und auch nach längerer Tragezeit stabil bleiben. Erst wenn Optik, Sitz, Gewebereaktion und Alltag zusammenpassen, ist die Versorgung wirklich gut.

Im OCT werden Operation und Sklerallinse gemeinsam sichtbar

Vorderabschnitts-OCT mit Sklerallinse über der Hornhaut und intrastromalem CAIRS-Segment
Vorderabschnitts-OCT des rechten Auges: Oberhalb der Hornhaut verläuft die Sklerallinse mit dem Flüssigkeitsreservoir. Innerhalb der Hornhaut ist ein intrastromales Gewebesegment angeschnitten. Alle direkt zuordenbaren Patienten- und Gerätedaten wurden entfernt.

Dieses OCT ist für mich das stärkste Bild des Falls. In einer einzigen Aufnahme sind zwei Ebenen der Versorgung zu sehen: innerhalb der Hornhaut das eingesetzte Gewebesegment und darüber die Sklerallinse, die die Hornhaut ohne zentrale Berührung überbrückt.

Das OCT beantwortet dabei keine Frage nach der Sehschärfe. Es zeigt Geometrie: Wie groß ist der Abstand zwischen Linse und Hornhaut? Bleibt die Überbrückung über der irregulären Oberfläche erhalten? Wie verhält sich die Linse im Übergang zur Peripherie? Solche Informationen ergänzen die klinische Kontrolle und helfen, Änderungen nachvollziehbar zu planen.

Der Visusverlauf: von 0,32 mit Brille bis 0,8 mit Sklerallinse

Die Zahlen sind eindrucksvoll:

  • früherer bestkorrigierter Visus des rechten Auges mit Brille: 0,32
  • Visus in späteren Nachkontrollen mit Sklerallinse und geringer Überrefraktion: 0,8

Dieser Vergleich braucht eine ehrliche Einordnung. Die Werte stammen aus unterschiedlichen Jahren und wurden mit unterschiedlichen Korrektionsmitteln erhoben. Sie beweisen weder die isolierte Wirkung des Femto-CAIRS-Eingriffs noch die isolierte Wirkung der Sklerallinse.

Was sie sehr wohl zeigen: Im Verlauf einer aufeinander abgestimmten Versorgung konnte deutlich mehr Sehpotenzial nutzbar gemacht werden als mit der früheren Brillenkorrektur. Genau deshalb sollte man chirurgische und kontaktlinsentechnische Rehabilitation nicht gegeneinander ausspielen.

Was dieser Fall fachlich zeigt

Erstens: Eine Operation kann die Ausgangslage verändern, ohne die optische Versorgung abzuschließen. Nach Femto-CAIRS muss die neue Hornhautgeometrie verstanden werden.

Zweitens: Eine Sklerallinse nach Hornhautchirurgie ist keine Lösung von der Stange. Torische und quadrantenspezifische Auflagezonen können notwendig sein, und mehrere kontrollierte Änderungen gehören bei komplexen Verläufen dazu.

Drittens: OCT und Topografie haben unterschiedliche Aufgaben. Die Topografie zeigt die Form der Hornhaut. Das OCT zeigt die räumliche Beziehung von Gewebe, Flüssigkeitsreservoir und Linse. Die Reaktion des Auges muss zusätzlich an der Spaltlampe und nach realer Tragezeit beurteilt werden.

Viertens: Das Ergebnis entsteht im Zusammenspiel verschiedener Fachbereiche. Die augenärztliche Behandlung verändert und überwacht die Hornhaut. Die spezialisierte Kontaktlinsenanpassung erschließt die bestmögliche optische Nutzung im Alltag.

Häufige Fragen

Kann man nach Femto-CAIRS eine Sklerallinse tragen?
In einer medizinisch stabilen Situation kann eine Sklerallinse geprüft werden. Zeitpunkt, Hornhautbefund und Nachsorge müssen individuell mit der behandelnden Augenärztin oder dem behandelnden Augenarzt abgestimmt werden.

Drückt die Sklerallinse auf die eingesetzten Segmente?
Die zentrale Zone der Sklerallinse soll die Hornhaut überbrücken. Sie stützt sich weiter außen ab. Ob die Überbrückung tatsächlich sicher ist, wird am Auge und bei Bedarf im Vorderabschnitts-OCT kontrolliert.

Kann man CAIRS im OCT sehen?
In geeigneten Schnittlagen lassen sich die intrastromalen Segmente im Vorderabschnitts-OCT darstellen. Im gezeigten Fall sind gleichzeitig das Gewebesegment, die Hornhaut, das Flüssigkeitsreservoir und die darüberliegende Sklerallinse sichtbar.

Heilt Femto-CAIRS einen Keratokonus?
Der Eingriff soll die Hornhautform verändern und die optische Situation verbessern. Er ersetzt weder die augenärztliche Verlaufskontrolle noch automatisch weitere medizinische Maßnahmen, wenn eine Progression besteht.

Sklerallinsen nach Hornhautchirurgie

Nach einem Eingriff an einer irregulären Hornhaut reicht es nicht, nur eine neue Stärke zu bestimmen. Entscheidend sind aktuelle Hornhautdaten, die Beurteilung der korneoskleralen Form, ein kontrollierter Linsensitz und verlässliche Nachkontrollen.

Mehr allgemeine Informationen finden Sie auf meiner Seite Sklerallinsen. Wenn bereits Arztbriefe, Topografien oder Daten einer bisherigen Kontaktlinsenversorgung vorliegen, kann die Situation über die bestehende Speziallinsen-Anfrage strukturiert geschildert werden.

Dieser Beitrag beschreibt einen anonymisierten Einzelfall. Er ersetzt keine augenärztliche Diagnose, Behandlung oder individuelle Sklerallinsenanpassung. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf andere Augen übertragen.

Transparenz: Im Beitrag wird kein bestimmter Kontaktlinsenhersteller empfohlen. Die Darstellung beruht auf der dokumentierten Anpasspraxis und den unten genannten fachlichen Quellen.

Fachliche Quellen