Wenn die Sklerallinse die Hornhaut berührt: Was nur das OCT sichtbar macht

Wie regelmäßige OCT-Kontrollen den Unterschied machen können
Eine Sklerallinse sitzt perfekt. Der Patient ist zufrieden, sieht gut, hat keine Beschwerden. An der Spaltlampe sieht alles unauffällig aus. Und trotzdem stimmt etwas nicht.
Was ich in den letzten Jahren mit dem OCT meines CSO MS-39 immer wieder sehe, hat meine Arbeitsweise grundlegend verändert: Sklerallinsen, die bei der Anpassung noch einwandfrei über der Hornhaut schweben, können im Laufe der Zeit zentral Kontakt entwickeln – eine sogenannte zentrale Touch. Das Tückische daran: Der Patient spürt es nicht. Und an der Spaltlampe sieht man es nicht. Nur das OCT deckt es auf.
Wie eine Sklerallinse funktioniert
Für alle, die mit dem Thema noch nicht vertraut sind: Eine Sklerallinse ist eine große formstabile Kontaktlinse, die die gesamte Hornhaut überspannt. Sie liegt nicht auf der Hornhaut auf, sondern stützt sich auf der Sklera ab – dem weißen Teil des Auges. Zwischen Linse und Hornhaut entsteht ein mit Kochsalzlösung gefüllter Raum, das Tränenreservoir. Dieses Reservoir gleicht Unebenheiten der Hornhaut optisch aus – deshalb sind Sklerallinsen bei Keratokonus und anderen Hornhauterkrankungen oft die beste Lösung.
Der Abstand zwischen Linsenrückfläche und Hornhaut heißt Clearance. Bei einer korrekt angepassten Sklerallinse beträgt diese Clearance zentral typischerweise 150 bis 300 Mikrometer. Das ist weniger als die Dicke eines Haares – aber genug, um die Hornhaut zu schützen.
Was ist eine zentrale Touch?
Von einer zentralen Touch sprechen wir, wenn die Sklerallinse am höchsten Punkt der Hornhaut – dem Apex – direkten Kontakt hat. Das Tränenreservoir ist an dieser Stelle aufgebraucht, die Linse drückt auf die Hornhaut.
Das sollte man ernst nehmen. Eine dauerhafte Auflage kann die Hornhaut mechanisch reizen, den Stoffwechsel stören und langfristig zu Veränderungen führen, die man vermeiden möchte. Es ist ein Befund, auf den man reagieren sollte.
Warum bemerkt es niemand?
Und hier liegt das eigentliche Problem. Eine zentrale Touch ist dreifach unsichtbar:
Der Patient merkt es nicht. Die Hornhaut unter einer Sklerallinse ist durch das Tränenreservoir weitgehend von der Linse entkoppelt. Es gibt keinen Fremdkörperreiz, keinen Schmerz, kein Druckgefühl. Der Tragekomfort bleibt unverändert. Der Patient hat keinen Grund, etwas zu vermuten.
An der Spaltlampe sieht man es nicht. Die Beurteilung des Linsensitzes an der Spaltlampe stößt bei Sklerallinsen an ihre Grenzen. Der Fluoreszeinfilm, mit dem man bei herkömmlichen Kontaktlinsen den Sitz beurteilt, ist unter einer Sklerallinse nur eingeschränkt auswertbar. Ob der zentrale Clearance bei 50 Mikrometern liegt oder bei null – das kann man mit dem bloßen Auge schlicht nicht unterscheiden.
Der Visus gibt keinen Hinweis. Auch die Sehschärfe bleibt häufig stabil, weil die optische Wirkung der Linse durch die Touch nicht wesentlich beeinflusst wird. Alle klassischen Kontrollparameter sind unauffällig.
Was das OCT sichtbar macht
Das OCT – die Optische Kohärenztomographie – macht genau diese Befunde zugänglich. Es erzeugt einen hochauflösenden Querschnitt durch das vordere Auge: Linse, Tränenreservoir, Hornhaut – alles in einem Bild, im Mikrometerbereich aufgelöst.

In dieser OCT-Aufnahme sehen Sie eine Sklerallinse mit ausreichender Clearance. Der obere Bogen ist die Linse, der untere die Hornhaut. Der schwarze Raum dazwischen ist das Tränenreservoir – gut gefüllt, gleichmäßig verteilt. So soll es aussehen.

Und hier das Gegenbild: Der zentrale Abstand hat sich deutlich verringert. Ohne OCT wäre diese Veränderung unentdeckt geblieben – der Patient hatte keine Beschwerden, die Spaltlampe war unauffällig. Erst der OCT-Scan zeigt: Die Clearance reicht nicht mehr aus.
Warum passiert das? Der Keratokonus als lebendige Erkrankung
Eine häufige Ursache für eine sekundäre zentrale Touch ist die Progression des Keratokonus. Keratokonus ist keine statische Diagnose – die Hornhaut kann sich im Laufe der Zeit weiter vorwölben. Wenn der Konus steiler wird, wächst der Apex der Hornhaut der Linsenrückfläche entgegen. Die Clearance, die bei der Anpassung noch ausreichend war, schrumpft.
Das ist ein schleichender Prozess. Er dauert Monate, manchmal Jahre. Und genau deshalb ist die regelmäßige OCT-Kontrolle so wichtig: Sie macht eine Veränderung sichtbar, lange bevor der Patient etwas bemerkt oder die Spaltlampe einen Befund zeigt.
Mein Werkzeug: Das MS-39
Für diese Kontrollen nutze ich das MS-39. Es vereint Placido-Ring-Topographie, Scheimpflug-Tomographie und Vorderabschnitt-OCT in einem Gerät. Die Topographie und Tomographie zeigen mir, ob sich die Hornhaut verändert hat – ob der Konus steiler geworden ist, ob die Hornhaut dünner wird. Und das OCT zeigt mir, wie sich diese Veränderung auf den Linsensitz auswirkt.
Diese Kombination ist sehr hilfreich. Denn wenn ich eine zentrale Touch im OCT entdecke und gleichzeitig in der Tomographie eine Progression des Konus sehe, dann weiß ich: Die Linse muss angepasst werden – und der Patient muss möglicherweise auch zum Augenarzt, um über ein Crosslinking nachzudenken.
Was bedeutet das für Sie?
Wenn Sie Sklerallinsen tragen: Gehen Sie regelmäßig zur Kontrolle – auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Fragen Sie gezielt nach, ob der Linsensitz mit einem OCT überprüft wird. Ein OCT-Check gibt zusätzliche Sicherheit, dass die Linse tatsächlich noch korrekt sitzt.
Wenn Sie als Fachkollege Sklerallinsen anpassen: Die Kombination aus Tragekomfort und unauffälligem Spaltlampenbefund kann trügerisch sein. Ein OCT bei der Nachkontrolle kann helfen, Befunde sichtbar zu machen, die sonst leicht übersehen werden.
Fazit
Gut angepasste Sklerallinsen können im Verlauf einen zentrale Touch entwickeln. Der Patient merkt es nicht, die Spaltlampe zeigt es nicht – aber das OCT deckt es auf. In meiner Praxis hat die regelmäßige OCT-Kontrolle mit dem MS-39 bereits mehrfach Befunde sichtbar gemacht, die sonst unentdeckt geblieben wären. Für meine Patienten bedeutet das: mehr Sicherheit bei jeder Kontrolle. Für mich als Anpasser bedeutet es: ein gutes Gefühl bei jeder Kontrolle.
Wenn Sie Fragen zu Sklerallinsen oder zur OCT-gestützten Anpassung haben, sprechen Sie mich gerne an.
Gero Mayer | Der Augenoptikermeister
Telefon: 0176 22 85 68 72
E-Mail: info@geromayer.de
Hinweis: Die gezeigten OCT-Aufnahmen wurden mit ausdrücklicher Einwilligung des Patienten veröffentlicht. Alle Angaben wurden anonymisiert.
Bildnachweis: Alle OCT-Aufnahmen © Gero Mayer | Der Augenoptikermeister – aufgenommen mit dem CSO MS-39